Muße: Das Glück des Nichtstuns!

Rushika Hemade
Muße: Das Glück des Nichtstuns!

Image by John William Waterhouse from Wikipedia

This was the first essay I ever wrote in German while pursuing my Bachelor’s degree in German. I composed it in 2013 for an essay-writing competition on the theme “Das Glück des Nichtstuns” (The Happiness of Doing Nothing).

Sie befinden sich mit dem Vater am Strand, der dem Wunsch seiner Kinder nachgekommen ist und mit ihnen eine Sandburg baut. Eine halbe Stunde arbeiten die drei zusammen, spielen mit dem Sand, klopfen ihn fest, bauen Wege. Bald verlieren die Kinder das Interesse. Eines spielt im Meerwasser und das andere beginnt Seesterne zu suchen! Bei der Burg ist nur der Vater geblieben. Selbstvergessen baut er weiter, beginnt einen Tunnel zu graben und wird nur einmal hektisch, als eine erste Welle droht, sich einen Teil der Burg zurückzuholen. Sofort beginnt er einen Wall gegen die Fluten zu errichten. Er kann es einfach nicht lassen. Er baut und baut weiter. Nach einer Stunde ist seine Frau vor ihm, gestikuliert, will nach Hause. Er schaut sie verständnislos an. Er lächelt über sich selbst und ist überrascht über die schöne Burg. Der Vater hat sie gefunden, die Muße, nach der wir uns so sehnen! Aber was wirkte so stark auf unser Leben, dass es sich so stark veränderte und uns diese Muße nur noch selten empfinden lässt?

Die große Wende kam mit der Industrialisierung. Mit ihr entstanden viele Bereiche, die uns sehr beschäftigt machen. Die Beschleunigungsgesellschaft mit ihrem Arbeitsdruck und dem Zwang zu permanenter Kommunikation lässt uns nicht mehr zur Ruhe kommen. Damit wir dem Übel der Ruhe nicht frönen, hämmert man uns Zitate wie „Morgenstund hat Gold im Mund” ein. Auch Benjamin Franklins Weisheiten „Verlier keine Zeit, sei immer beschäftigt” oder „Zeit ist Geld” verdeutlichen, dass Arbeit heutzutage vor allem als ein Medium zum Geldverdienen gesehen wird und nicht mehr als Selbstbeschäftigung oder Möglichkeit zum Kontakt mit anderen. Jetzt, ein Vierteljahrtausend später, sind wir kleine Franklins geworden. Wir sind immer unter Stress. Wir brauchen unbedingt eine Pause. Aber auch aus der verbleibenden Muße gibt es immer weniger freie Zeit, denn auch hier neigen wir dazu, immer mehr Zeit zu verplanen. Aber natürlich hängt alles davon ab wie man Muße interpretiert.

Eine erste Interpretation ist wie es im Stil dieses Aufsatzes steht das Nichtstun! ‚Nichtstun’ ist zuerst einmal einfach ‚ein Zustand der Untätigkeit’. Das kann im Garten sein oder im Bett oder irgendwo, wo man einfach sitzt, ohne etwas ersichtlich Gezieltes zu machen. Es gibt viele Ereignisse bis heute, die aus dem Nichtstun resultieren. Z. B.: Sir Isaac Newton war im Garten, als ihm der zündende Einfall zu seiner Gravitationstheorie kam. Viele  Dichter haben ihre Dichtungen während ihrer freien Zeit komponiert. Ähnlich mein Vater! Er sitzt auf dem Stuhl im Garten, steckt seine Tabakspfeife in den Mund und sitzt für Stunden ohne etwas zu machen. Er sagt, das hilft ihm beim Denken. Er genießt das Nichtstun. Aber führt dieser Weg immer zu Entwicklung? Nein, nicht jeder Person hat die Fähigkeit, aus dem Nichtstun etwas zu schaffen. Manchmal wurden auch Sex, Drogen und Völlerei mit mangelnder Beschäftigung in Verbindung gebracht. Wie kann man denn mit solchen Nichtstun behandeln? Dafür gibt es die zweite Interpretation.

Wenn man freie Zeit hat, denkt man an viele Sachen, die man machen kann. Das kommt noch einmal zur Selbstbeschäftigung. Aber in dieser Selbstbeschäftigung genießt man die Zeit. Man genießt das eigene Sein! Wie ich es im ersten Absatz beschrieben habe, wo der Vater sich mit der Burg beschäftigt und die Kreativität von innen kommen lässt. Das ist viel besser als sich z.B. mit Drogen oder einem schlechtem Gewissen aufzuhalten. Schon Nitzsche wusste  „Aus Mangel an Zeit läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus.  Zu keiner Zeit haben die Ruhelosen, mehr gegolten.” Er sagte auch  „Man muss ziemlich viel mit sich anfangen können, wenn man aus dem Arbeitsleben aussteigt.” Etwas zu tun kann immer erfüllend erscheinen. Das ist umgekehrt wie beim Nichtstun. Es dehnt die Stunden, während sie verrinnen und lässt sie im Nachhinein zu einem erbärmlichen Nichts zusammenschrumpfen.

Ich definiere die Mußezeit für mich als eine unerklärbare Zeit, die nicht unbedingt einen bestimmten Zweck verfolgt. Ich genieße einfach das, was mir Spaß macht. Manchmal setze ich mich mit einer Tasse Tee auf den Balkon und denke an allerlei Sachen. Manchmal tue ich auch Dinge, die mir helfen, mich zu verstehen, mich weiter zu bilden. Einen Zweck zu haben ist nicht immer wichtig. Wie in der von Joseph von Eichendorf geschrieben Novelle ‚Aus dem Leben eines Taugenichts’ hat der Taugenichts keine Mission, kein höheres Ziel, er dient weder der Weisheit noch der Schönheit, sondern nur sich selbst.

In diesem Sinne möchte ich abschließend sagen: „Genieβ die Muße mit voller Freude, den Muße zu haben, ist das echte Glück unseres Lebens.

Here are 15 useful vocabulary words from my text about Muße (good for B2:C1 level):

  1. die Muße : leisure, contemplative free time
  2. das Nichtstun : idleness
  3. die Selbstvergessenheit : self-forgetfulness
  4. die Beschleunigungsgesellschaft : acceleration society
  5. der Arbeitsdruck : work pressure
  6. der Zwang : compulsion / pressure
  7. die Industrialisierung : industrialization
  8. die Untätigkeit : inactivity
  9. die Selbstbeschäftigung : self-occupation
  10. die Völlerei : gluttony
  11. die Entwicklung : development
  12. die Kreativität : creativity
  13. die Weisheit : wisdom
  14. die Zivilisation : civilization
  15. das Gewissen : conscience

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